Customer Story HPX 6007
Zwischen Apfelgärten und Crêperien im bretonischen Finistère ist aus einem kleinen Familienprojekt eine Cidrerie mit einer Jahresproduktion von rund fünf Millionen Flaschen geworden. Drei Brüder führen Château Lézergué heute in unterschiedlichen Rollen – und doch mit einer gemeinsamen Überzeugung: Wer guten Cidre machen will, muss schon beim Pressen alles richtig machen. Eine Geschichte über Familie und Wachstum, über Menschen, die bleiben, über alte Maschinen und eine neue Generation von Technik.
Der Cidre steht schon mittags auf dem Tisch.
In den Crêperien der Bretagne wird er ganz selbstverständlich zum Essen getrunken, oft aus den traditionellen „bolées“, dickwandigen Keramiktassen, die hier ebenso zum Bild gehören wie Galettes und Crêpes. Für Besucher ist das ein Stück bretonische Lebensart. Für Guillaume Jan ist es zugleich ein Markt, den er seit vielen Jahren kennt.
„Die Touristen, die in die Bretagne kommen, gehen in die Crêperie“, erzählt er. Dort werde nur wenig Bier oder Wein bestellt. Cidre dagegen gehöre einfach dazu. Château Lézergué liefert ihn nicht nur in Flaschen, sondern auch in Fässern – ein Format, das in den Crêperien zunehmend gefragt ist.
Wenige Kilometer entfernt beginnt die Geschichte hinter diesem Glas, oder besser: hinter dieser Tasse.
Rund um die Cidrerie bei Ergué-Gabéric im Finistère liegen die Obstgärten der Familie Jan. Während der Ernte warten dort die Cidre-Äpfel auf ihre Verarbeitung. Reife, teils bereits überreife Früchte prägen für einige Wochen das Bild und den Geruch des Betriebs. Draussen die Bäume und die Ernte. Drinnen Edelstahl, Rohrleitungen, Tanks, Pumpen – und Pressen aus unterschiedlichen Generationen.
Der Kontrast könnte kaum grösser sein.
Und doch wirkt hier nichts davon wie ein Widerspruch.
Denn die Geschichte von Château Lézergué ist nicht die Geschichte eines traditionellen Handwerks, das irgendwann von moderner Technik abgelöst wurde. Es ist eine Geschichte darüber, wie beides miteinander gewachsen ist.
Alles beginnt mit Bäumen
1990 gibt es noch keine Cidrerie im heutigen Sinn.
Guillaumes Vater und sein ältester Bruder Matthieu beginnen damit, Apfelbäume zu pflanzen und die Obstgärten aufzubauen. Das ursprüngliche Ziel ist zunächst gar nicht, selbst Cidre herzustellen. Die Familie will Cidre-Äpfel produzieren.
Fünf Jahre später kommt Guillaume in den Betrieb.
Und mit ihm verändert sich die Idee.
Warum die Früchte verkaufen? Warum nicht selbst verarbeiten?
Die Familie richtet einen kleinen Produktionsbereich ein. Aus den eigenen Äpfeln entstehen die ersten Cuvées. Guillaume übernimmt, was in einem jungen Familienbetrieb eben übernommen werden muss: mitproduzieren, verkaufen, Kunden finden. Er fährt auf Märkte und besucht Restaurants und Crêperien in der Umgebung.
1995 werden rund 2.000 Flaschen produziert.
Fünf Jahre später sind es bereits 100.000.
Als Joseph im Jahr 2000 dazukommt, ist der Betrieb so weit gewachsen, dass Guillaume nicht mehr gleichzeitig Produktion und Vermarktung stemmen kann. Joseph übernimmt zunehmend die Herstellung. Heute ist er der maître de chai, der Kellermeister des Hauses: verantwortlich für die Rezepturen und dafür, dass aus dem Saft jene Cidres entstehen, für die Château Lézergué steht.
So haben sich die Rollen der drei Brüder nicht in einer Strategiebesprechung ergeben, sondern aus der Geschichte des Unternehmens.
Matthieu ist bis heute der Mann der Obstgärten. Gemeinsam mit drei Mitarbeitern kümmert er sich um die 42 Hektar eigene Anbaufläche, um die Bäume und um die jährliche Ernte.
Joseph verantwortet als maître de chai die Herstellung der Cidres.
Und Guillaume arbeitet dort, wo die verschiedenen Bereiche zusammenlaufen: Verkauf, Personal, Investitionen, Unternehmensführung – und wenn es nötig ist, auch einmal Buchhaltung.
Dass diese Aufteilung funktioniert, erklärt er mit einem gewissen Humor. Matthieu verbringe seine Tage gern draussen in den Obstgärten; Verhandlungen mit Banken wären vermutlich weniger seine Welt. Guillaume wiederum kann sich nicht recht vorstellen, den ganzen Winter bei Regen und Kälte zwischen den Bäumen zu verbringen.
Am Ende, sagt er sinngemäss, sei wohl jeder ziemlich genau dort gelandet, wo er hingehört.
Selbst die Mutter der drei Brüder ist noch Teil des Unternehmens.
Sie macht bis heute die Buchhaltung.
Die Menschen hinter dem Produkt
Wenn Guillaume erklären soll, was Château Lézergué auszeichnet, spricht er deshalb zuerst von der Familie.
Doch dabei bleibt es nicht.
Fast im selben Atemzug spricht er über die Mitarbeiter.
Menschen, die in das Unternehmen kommen, bleiben, erzählt er. Es gebe kaum Fluktuation. Und mit den Menschen bleibe ihr Wissen.
Das klingt zunächst nach einem Nebensatz in einer Familiengeschichte. Tatsächlich berührt Guillaume damit einen Kern handwerklicher Produktion: Erfahrung lässt sich nicht beliebig ersetzen. Wer über Jahre dieselben Früchte, dieselben Anlagen und dieselben Prozesse erlebt, erkennt Veränderungen, bevor sie sich in einer Kennzahl niederschlagen. Wissen wird nicht nur dokumentiert. Es sammelt sich in den Menschen.
Für Guillaume ist diese Kontinuität ein Teil der Produktqualität.
Château Lézergué ist währenddessen längst kein kleiner Hofbetrieb mehr.
Die eigenen 42 Hektar Obstgärten werden vollständig biologisch bewirtschaftet. Je nach Wetter liefern sie in einem Jahr ungefähr 500 bis 900 Tonnen Äpfel. Die Schwankungen sind erheblich – „die Natur ist, wie sie ist“, sagt Guillaume.
Insgesamt verarbeitet die Cidrerie heute rund 5.600 Tonnen Äpfel pro Jahr. Der überwiegende Teil wird deshalb von weiteren Erzeugern zugekauft. Je nach gewünschtem Produkt kommen dabei biologische oder konventionell erzeugte Äpfel zum Einsatz.
Rund fünf Millionen Flaschen produziert Château Lézergué jährlich, hinzu kommt Cidre im Fass.
Von den 2.000 Flaschen des Jahres 1995 bis hierher ist ein Unternehmen entstanden, das seine Wurzeln noch immer vor den Fenstern der Produktion sieht.
Und vielleicht erklärt genau das, warum Guillaume über keinen Arbeitsschritt mit so viel Nachdruck spricht wie über jenen Moment, an dem aus diesen Äpfeln zum ersten Mal Saft wird.
Der Punkt, an dem sich alles entscheidet
„Le métier de cidrier démarre au pressage.“
Der Beruf des Cidriers beginnt beim Pressen.
Guillaume sagt diesen Satz nicht beiläufig. Er kehrt im Gespräch immer wieder zu ihm zurück.
Denn für ihn ist die Presse keine Maschine irgendwo am Anfang einer Produktionslinie. Sie ist der Prozessschritt, an dem sich ein wesentlicher Teil des wirtschaftlichen Ergebnisses bereits entscheidet.
Jeder zusätzliche Punkt Ausbeute, sagt er, sei zusätzliche Marge.
Hinter dem nüchternen Begriff „Ausbeute“ steckt eine sehr einfache Logik: Was beim Pressen im Apfel bleibt, kann später nicht mehr zu Cidre werden. Die Qualität der Frucht mag hervorragend sein, der Keller perfekt arbeiten – verlorener Saft bleibt verloren.
Bei Château Lézergué verdichtet sich diese Logik auf ungefähr zehn Wochen im Jahr.
So lange dauert die Presskampagne.
In dieser Zeit verfolgt Guillaume die Ausbeuten täglich. Wenn sich die Werte in die falsche Richtung bewegen, will er wissen, warum.
Sein Vergleich mit der Abfüllung macht deutlich, weshalb ihn dieses Thema so beschäftigt. Fällt dort eine Maschine aus und geht Produktionszeit verloren, lässt sich die Arbeit später nachholen.
Während der Apfelkampagne funktioniert diese Rechnung nicht.
Der Rohstoff wartet nicht.
„Wenn ich während der Kampagne nicht richtig presse“, erklärt Guillaume sinngemäss, „ist es danach zu spät. Das hole ich nicht mehr zurück.“
Deshalb ist die Geschichte der Pressen bei Château Lézergué auch eine Geschichte über die Entwicklung des ganzen Unternehmens.
Vom Stroh zur Hydraulik
In den Anfängen arbeitet die Familie noch mit sogenannten Packpressen.
Guillaume beschreibt das Prinzip heute fast mit einem Augenzwinkern: eine Lage zerkleinerte Äpfel, eine Lage Stroh – Apfel, Stroh, Apfel, Stroh.
Später folgen Bandpressen.
Mit dem Wachstum der Cidrerie wird jedoch immer deutlicher, dass die Ausbeute für die Familie zum entscheidenden Kriterium wird. Bei steigenden Verarbeitungsmengen ist jeder Anteil Saft, der im Trester verbleibt, auch wirtschaftlich relevant.
2012 zieht Château Lézergué deshalb einen Schlussstrich.
Guillaume beschreibt die damalige Haltung mit einem kurzen „Stop“. Man habe nun viele Äpfel zu verarbeiten gehabt und wolle beim Pressen „zu den ernsthaften Dingen“ übergehen.
Die Familie entscheidet sich für hydraulische Presstechnik von Bucher Unipektin.
Zunächst kommt eine HP 3000 zum Einsatz. Als auch deren Kapazität nicht mehr genügt, folgt eine HP 5000.
Guillaume erzählt, dass ihm zwischenzeitlich sogar eine ausgemusterte Bandpresse nahezu kostenlos angeboten worden sei. Er lehnt ab. Wenn die andere Cidrerie ihre Bandpresse bereits durch Bucher-Pressen ersetzt habe, argumentiert er damals, wolle er sie nicht bei sich wieder aufstellen.
Er sucht stattdessen eine HP 5000.
Die Pressen werden so zu Markierungen auf der Wachstumskurve von Château Lézergué.
Eine Maschine erzählt diese Entwicklung besonders eindrucksvoll.
Die HP 3000, die dem Unternehmen zuletzt zu klein geworden war, trägt das Baujahr 1978.
Fast ein halbes Jahrhundert nach ihrer Herstellung funktioniert sie noch immer.
Guillaume stellt das ohne jede Dramatisierung fest. Man habe sie ersetzt, weil etwas Grösseres benötigt wurde.
„Elle marche très bien.“
Sie funktioniert sehr gut.
Heute steht die ausgemusterte Presse auf dem Hof von Château Lézergué. Sie hat ihren Platz im Produktionsprozess verloren, nicht weil ihre technische Lebensdauer erschöpft wäre, sondern weil der Betrieb mehr Kapazität benötigt.
Der Betrieb ist schlicht über sie hinausgewachsen.
Nicht neu, weil neu immer besser ist
Als erneut mehr Kapazität benötigt wird, liegt eine naheliegende Lösung auf dem Tisch: noch eine gebrauchte HP 5000.
Château Lézergué prüft diese Möglichkeit.
Doch diesmal geht es um mehr als um den nächsten Kapazitätsschritt. Die Familie betrachtet die Pressenanlage als Teil eines mittel- und langfristigen Industrieprojekts.
Die Entscheidung fällt deshalb auf eine neue HPX 6007 von Bucher Unipektin.
Wer nun erwartet, dass Guillaume zuerst von Digitalisierung oder Automatisierung spricht, liegt falsch.
Sein wichtigstes Kriterium fasst er in einem einzigen Satz zusammen:
„La priorité, c'est les rendements.“
Die Priorität ist die Ausbeute.
Technisch arbeitet die HPX 6007 als hydraulisches Kolben-Zylinder-System. 120 flexible Drainageelemente führen den Saft aus dem Pressraum ab. Beim Vorlauf des Kolbens wird die Apfelmaische ausgepresst. Beim Rücklauf wird der Pressrückstand durch die gleichzeitige Rotation der Presseinheit wieder aufgelockert und für den nächsten Pressschritt vorbereitet. Pressen und Auflockern wechseln sich mehrfach ab, bis das gewünschte Pressergebnis erreicht ist.
Entscheidend ist dabei nicht nur die Mechanik. Die selbstoptimierende Prozesssteuerung ermittelt während des Ablaufs fortlaufend die Pressbarkeit des Produkts und passt die relevanten Prozessparameter entsprechend an. Gleichzeitig werden Prozess- und Produktionsdaten in Echtzeit erfasst.
Genau hier trifft die Technik auf das, was Guillaume mit seiner Forderung nach Ausbeute meint. Automatisierung ist für ihn kein Selbstzweck. Sie ermöglicht vielmehr, die notwendigen Press- und Auflockerungsschritte reproduzierbar durchzuführen und den Prozess an das Verhalten der jeweiligen Apfelmaische anzupassen.
Der eigentliche Fortschritt liegt für Château Lézergué deshalb nicht einfach darin, dass weniger von Hand gemacht werden muss.
Sondern darin, dass der Prozess konsequenter das tun kann, was Guillaume von ihm erwartet: möglichst viel Saft aus den Äpfeln gewinnen.
Er geht sogar so weit, die Investition über genau diesen Effekt zu rechnen. Durch die höhere Ausbeute, sagt er, werde sich die Presse amortisieren.
Technik bekommt damit eine sehr konkrete Aufgabe.
Sie soll einen wertvollen landwirtschaftlichen Rohstoff möglichst effizient nutzen.
Das Dach ist nervenaufreibender als die Inbetriebnahme
Die Entscheidung für die neue Presse fällt unter erheblichem Zeitdruck.
Anfang Februar wird der Auftrag unterschrieben. Ende August soll die Anlage bereit sein.
Dazwischen muss nicht nur eine Maschine geliefert werden.
Ein Teil des Gebäudes wird geöffnet, damit Krane die Presse an ihren Platz heben können. Die Dimensionen machen deutlich, welche logistische Aufgabe dahintersteht: Die HPX 6007 ist rund 7,25 Meter lang und bringt bereits leer etwa 18 Tonnen auf die Waage.
Versorgungsnetze für Wasser, Druckluft und Elektrizität müssen angepasst werden. Anlagenbauer, Schweisser und Elektriker arbeiten unter hohem Zeitdruck.
Für Guillaume ist das die nervenaufreibende Phase des Projekts.
Nicht die eigentliche Inbetriebnahme.
Auf die Frage, ob er vor dem Beginn der Inbetriebnahme angespannt gewesen sei, antwortet er überraschend gelassen.
Eigentlich nicht.
Wenn die Presse bei Bucher Unipektin in der Schweiz das Werk verlässt und auf den Lastwagen geladen werde, sagt er sinngemäss, gehe er davon aus, dass sie funktioniere.
Deutlich mehr Gedanken habe er sich darüber gemacht, ob alles rund um die Maschine rechtzeitig fertig werde.
Darin steckt ein bemerkenswerter Satz über eine langjährige Lieferantenbeziehung, obwohl Guillaume ihn gar nicht als solchen formuliert.
Vertrauen zeigt sich manchmal gerade dort, wo jemand nicht mehr nervös wird.
Mehrere Generationen, eine Geschichte
Auch die HP 5000 bleibt Teil dieser Geschichte.
Ihre Leistung sei nach wie vor gut, sagt Guillaume. Bei korrekter Wartung sehe er keinen Grund, weshalb sie nicht weiter funktionieren sollte.
Sein Urteil fällt denkbar kurz aus:
„C'est très robuste.“
Sehr robust.
Der begrenzende Faktor ist für ihn heute nicht die mechanische Leistung der Maschine, sondern ihr Automatisierungsgrad.
Deshalb führt der Blick in die Zukunft nicht zwangsläufig zu einer weiteren neuen Presse.
Guillaume kann sich vielmehr vorstellen, die HP 5000 im Zuge eines Retrofits zu automatisieren. Als mögliches Ziel nennt er 2027.
So erzählen heute drei Pressengenerationen unterschiedliche Kapitel der Entwicklung von Château Lézergué.
Auf dem Hof steht die ausgemusterte HP 3000 von 1978 – noch immer voll funktionsfähig.
In der Produktion arbeitet die HP 5000 weiter. Ihre mechanische Leistungsfähigkeit überzeugt die Familie nach wie vor, weshalb als nächster Schritt eher eine Automatisierung als ein Austausch denkbar ist.
Und mit der vollautomatisierten HPX 6007 hat bereits die nächste Etappe begonnen.
Gerade dieser Kontrast erzählt viel über die Entwicklung von Château Lézergué: Eine Presse verlässt den Produktionsprozess nicht, weil sie technisch am Ende wäre, sondern weil der Betrieb mehr Kapazität benötigt. Eine zweite soll weiterarbeiten und möglicherweise automatisiert werden. Und eine neue übernimmt die Aufgaben der nächsten Entwicklungsphase.
Tradition und moderne Technik stehen hier nicht auf zwei verschiedenen Seiten.
Sie sind Etappen derselben Geschichte.
Eine Investition in zehn entscheidende Wochen
Klein ist dieser Schritt nicht.
„Ce n'est pas rien“, sagt Guillaume über das Projekt.
Das ist keine Kleinigkeit.
Die neue Presse und die dazugehörige Peripherie bilden nach seinen Angaben den grössten Investitionsposten von Château Lézergué innerhalb der vergangenen fünf Jahre – obwohl in diesem Zeitraum auch in Abfüllung und Infrastruktur investiert wurde.
Dass ausgerechnet die Pressenanlage diese Priorität erhält, ist für Guillaume vollkommen logisch.
Ein Cidrier presse Äpfel, sagt er. Wenn man an diesem Punkt nicht die notwendigen Mittel einsetze, müsse man sich fragen, ob man den richtigen Beruf gewählt habe.
Dass sich die Familie erneut für Bucher Unipektin entschieden hat, führt er dabei nicht auf einen einzelnen Faktor zurück.
Er nennt die Ausbeute. Die Robustheit der Maschinen. Die Erfahrung mit dem Unternehmen. Den Service. Und daraus entstehend etwas, das während einer zehnwöchigen Erntekampagne einen erheblichen Wert besitzt: Sicherheit.
Die Presse müsse funktionieren. Sie müsse langfristig funktionieren. Und wenn ein Problem auftrete, müsse es gelöst werden können.
Das klingt weniger nach Begeisterung für Maschinen als nach der Perspektive eines Unternehmers, der weiss, wie kurz sein entscheidendes Zeitfenster im Jahr ist.
Vielleicht ist genau das der Grund, weshalb sich bei Château Lézergué verschiedene Generationen von Technik so selbstverständlich in eine gemeinsame Geschichte fügen.
Nicht das Alter einer Maschine entscheidet über ihren Wert.
Sondern ob sie ihre Aufgabe erfüllt.
Der Massstab hat sich verändert. Der Anfang nicht.
Später steht der Cidre wieder dort, wo diese Geschichte begonnen hat: auf einem Tisch in der Bretagne.
Für den Gast in der Crêperie ist er vielleicht einfach ein Getränk, das zu diesem Ort gehört. Ein Geschmack, den man mit Ferien, Galettes und der Bretagne verbindet.
Hinter ihm liegen jedoch mehr als drei Jahrzehnte Familiengeschichte.
Ein Vater und ein Sohn, die zunächst Apfelbäume pflanzten. Ein zweiter Sohn, der 1995 aus den Früchten selbst Cidre machen wollte. 2.000 Flaschen. Dann 100.000. Ein dritter Bruder, der zum maître de chai wurde. Mitarbeiter, die blieben und mit ihnen ihr Wissen. 42 Hektar eigener Obstbau. Mittlerweile rund fünf Millionen Flaschen pro Jahr. Alte Pressen, die dem Betrieb zu klein wurden, bevor sie technisch am Ende waren. Und nun eine neue Anlage für die nächste Entwicklungsphase.
Vieles bei Château Lézergué ist grösser geworden.
Professioneller. Automatisierter. Leistungsfähiger.
Aber der Weg zum Cidre ist im Kern derselbe geblieben.
Vom Baum zur Frucht. Von der Frucht zum Saft. Vom Saft in den Keller. Und irgendwann von dort auf den Tisch.
Der Massstab hat sich verändert.
Der Anfang nicht.